Die Zukunft Europas und die Politikverdrossenheit der Jugend. Das eine gibt es, das andere leider auch. Die Schülervertretung des BRG Krems Ringstraße will das aber nicht einfach hinnehmen und lud deshalb vergangene Woche Vertreter_innen aller im Parlament vertretenen Parteien zu einer Podiumsdiskussion. Für NEOS durfte ich dabei sein und gleich eines vorweg: Ich mag das! Denn ganz ehrlich: Was kann einem Milizpolitiker Besseres passieren, als direkt mit Menschen in Austausch zu kommen, die als Erstwähler_innen hinkünftig das Politikbarometer unseres Landes bestimmen werden. Deshalb vielen Dank an das Team um Marlene Lethmayer für diese tolle Initiative.

Lasst Euch Europa nicht schlecht reden!

Ehe ich zu den Dingen komme, die ich aus dieser Begegnung gelernt habe, hier die Botschaft, die ich den rund 120 Schüler_innen mitgebracht habe. Sie ist einfach und fordernd zugleich: Die Europäische Union ist eher Teil der Lösung als des Problems. Sie ist nicht nur Schicksals-, sondern auch Chancengemeinschaft. Und doch wird es uns nicht erspart bleiben, über ihre Verfassung zu sprechen. Uns zu beteiligen. Uns einzumischen.

Zäune sind Schmerzmittel ohne Therapie

Viele Fragen aus dem Publikum drehten sich dann auch um das, was in den vergangenen Monaten unsere Wahrnehmung bestimmt hat und worauf weder österreichische noch europäische Politiker_innen bisher klare Antworten geben konnten: um Menschenrechte in Zusammenhang mit Zäunen, Verteilungsquoten und Überlegungen, wie man Menschen dazu bewegen kann, dort zu bleiben, wo sie gemäß Zuteilung bleiben sollten. „Türen mit Seitenteilen“ sind jedenfalls kein Lösungsansatz im Gegenstand, sondern tragen nur dazu bei, Fluchtrouten zu verlagern – darüber herrschte am Podium (zumindest weitgehende) Einigkeit. Was menschenwürdige Asylpolitik aus pinker Perspektive bedeutet, konnte ich natürlich aus diskutieren.

Aber was habe ich von den jungen Menschen gelernt?

Meine Zuversicht, dass diese jungen Menschen die künftigen Herausforderungen meistern werden, wurde jedenfalls bestärkt. Wenn ich die Verteilung der Meinungen und Standpunkte in dieser Gruppe von Gymnasiast_innen Revue passieren lasse, dann ist alles da, was ich mir von der nächsten Generation wünsche:
  • Kritisches Hinterfragen – ohne verblendete Hetze
  • Soziales Gewissen – ohne Betonung des „Wir sind wir!“
  • Und natürlich lösungsorientierte Vorschläge, die über den Tellerrand gedacht sind – und deren Inhalt dennoch in ein bis zwei Sätzen zusammengefasst werden kann.

Für uns Politiker_innen kann ich aus dieser Erfahrung drei Lektionen ableiten:

1. Mehr Klartext, weniger Worthülsen!

Politiker_innen müssen eine Sprache sprechen, die verstanden wird. Und „Herumeiern“ um den Kern von Fragen kommt nicht mehr an. Junge Menschen erkennen das sofort. Das gibt Hoffnung.

2. Wir brauchen Rollenklarheit!

Denn auch Erstwähler_innen haben bereits eine klare Vorstellung davon, wie Politiker_innen nicht sein sollen. Und punkten kann deshalb nur, wer seine Anliegen authentisch vertritt. Wir sollten uns deshalb regelmäßig fragen, inwiefern wir unseren eigenen und den Ansprüchen anderer gerecht werden.

3. Keep it short, but not simple!

Wer als Politiker_in glaubt, die Länge der Antwort sei für deren Akzeptanz verantwortlich, irrt! Falsch ist es aber auch, anzunehmen, dass es vor allem die einfachen Antworten sind, die bei jungen Menschen ankommen. Wir sollten deshalb den Kern der Dinge ergründen, um sie so gut kennenzulernen, dass wir selbst die komplexesten Zusammenhänge kurz erklären können.
Ich nehme diese Lektionen mit in meine weitere Arbeit. Und freue mich auf weitere Diskussionen mit euch, liebe Jungwähler_innen 🙂
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