Diese Bildungsreform ist symptomatisch für das, was bei uns auf allen Ebenen – von den Gemeinden über die Länder zum Bund und bis hin zur Europäischen Union – seit geraumer Zeit schief läuft. Da haben sich die Regierungsparteien ein Jahr lang Zeit genommen um, wie sie es nennen, „an einer umfassenden Reform der Bildung in Österreich zu arbeiten“ und schlussendlich kommt dabei etwas heraus, was man als minimal engagiertes Zwischenziel auf dem Weg zu wirklich substantiellen Reformen zusammenfassen könnte.

Der Stillstand hat Methode und sein Pate heißt Föderalismus

Warum ist das so? Ganz einfach: Die Schutzpatrone Erwin, Michael, Josef zusammen mit den anderen sechs Hütern der Landeskompetenzen – auch Heilige vom Art. 15a B-VG genannt – passen peinlich genau darauf auf, dass niemand in Regierungskreisen daran zu denken wagt, wirksame Verwaltungsreformen zu entwickeln. Zu diesem Zwecke vereinen sie ihre Stimmen gerne zum Mantra: „Om – om – om … gegebenenfalls wird der Reform die Zustimmung verwehrt … Om!
Im aktuellen Fall der Bildungsreform wurde ein großer Wurf angekündigt, ein Mangelhaft mit Teilbewertung ist es geworden. Konstruktive Beiträge der Opposition hätte es zur Genüge gegeben – siehe etwa: https://parlament.neos.eu/parlamentarische-arbeit-bildungswende/
Nun aber zur Detailbewertung:

1. Schulautonomie – Nicht Genügend!

Pädagogisch, finanziell und personell unabhängige Direktor_innen braucht das Land. Die Führungsposition sollte in einer Schule viel stärker im Lichte echter Managementqualitäten betrachtet werden. Das ist keine Rocket Science! Es geht darum, eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zu können. Und zwar unbeeinflusst von starren und antiquierten Lehrplänen, ressourcenbedingten Zwängen und Personalentscheidungen auf Zuruf der Regionalkaiser. Das bedingt natürlich, dass auch die Bestellung von Direktor_innen nicht von landeshauptmännlichen Gnaden abhängig sein darf.

Zukünftig mehr Mitsprache ist das falsche Signal – zukünftig Entscheidungsgewalt wäre der Durchbruch gewesen.

2. Gemeinsame Schule der 9- bis 14-Jährigen – Nicht Genügend!

Die in Aussicht gestellte Einführung von Modellregionen für Gesamtschulen bedeutet Spielen auf Zeit. Es geht mir auch nicht weit genug. Denn daran gebunden sein muss auch die freie Schulwahl ohne Schulgeld – Eltern wollen schließlich selbst entscheiden, wohin sie ihre Kinder schicken. Staatliche Einflussnahme mittels überkommener Sprengeleinteilungen sind ein absolutes Hindernis auf dem Weg zu einer echten Bildungswende, weil dadurch eine beflügelnde Konkurrenzsituation unter Schulen verhindert wird. Im Gegenteil: Alte Strukturen werden damit möglichst lange erhalten und der Trennungsschmerz für die im alten System Verhafteten wird, wie in unserer klientelbestimmten Innenpolitik üblich, möglichst gering gehalten – Irgendwo stehen eben immer Wahlen vor der Tür.

Letztlich brauchen wir aber keine Modellregionen in Österreich – es gibt bereits europäische Modellregionen, sogar Modellländer, die uns im Langzeitversuch beweisen, wie gut Gesamtschulen funktionieren.

3. Gesamtbeurteilung und äußere Form der Arbeit – Nicht Genügend!

In Summe reiht sich die angekündigte Bildungsreform in die Menge von Reformversuchen ein, die unter dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ steht. Um im Jargon zu bleiben: Die angetretenen Kandidat_innen haben sich zwar bemüht, haben aber auf Grund mangelnden Vermögens, über den eigenen Schatten zu springen, das Thema leider verfehlt.

Wie kann eine Bildungsreform wirklich funktionieren?

Angesichts des ausbleibenden großen Wurfs müssen wir uns wohl zunächst an Lösungen im Kleinen versuchen. Stellen wir uns die Fragen: Was könnten wir in unseren Gemeinden tun, um unsere Bildungslandschaft bunter zu gestalten? Was wünschen wir uns von den Kindergärten in unserer Region – etwa in Erpersdorf und Zwentendorf? Welche Projekte könnten Volksschulen und Neue Mittelschulen vor Ort bereichern? Und starten wir einen Dialog – Ich freue mich auf Eure Nachrichten und Anregungen!

PS: Wer wissen möchte, was ein wirklich großer Wurf aus Sicht von NEOS gewesen wäre, darf gerne einen Blick in die (Position)Papiere zur Bildung, Schulautonomie & Mittleren Reife, Elementarpädagogik und Talentförderung wagen. Umsetzung ausdrücklich erwünscht!

 

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