Ihr könnt Euch vielleicht noch erinnern: Vor rund drei Monaten habe ich beschlossen, meine Rolle als (Oppositions-)Politiker neu zu definieren, die Anwendung altbekannter Strategien zu verweigern und mich freizumachen vom tagespolitischen, oppositionellen Mainstream-Geheule. Keine Meinung mehr zu vertreten zu Dingen, zu denen ich keine Meinung habe; über nichts zu schwadronieren, über das ich nichts weiß, und mich nicht mehr vor parteipolitisch modellierten Ideologien hertreiben zu lassen. Ich wollte buchstäblich vor der eigenen Türe kehren und sehen, was dabei zum Vorschein kommt.

Was hat sich seither geändert?

Unter dem Titel #spurenhinterlassen habe ich begonnen, eine Enzyklopädie dessen zu erstellen, was eventuelle Bestand haben wird. Und die neue Kategorie #goodnews sollte der Versuch sein, das Positive, das uns durchaus umgibt, hervor zu streichen. Immer so nahe wie möglich an jenen, für die es sein soll: den Menschen. Politik nicht als zynischer Selbstzweck.

Was habe ich also gefunden?

Ganz ehrlich: eine Menge. Vielleicht sogar mehr, als es mir anfangs bewusst war. Es war gut, dass ich mich auf diesen Weg gemacht habe.
Getroffen habe ich auf ihm zunächst junge Menschen in Traismauer, die sich im Rahmen der Schülervertretung für die Anliegen Ihrer Mitschüler_innen stark machen. Damals war das Team Clarity noch im Wahlkampf – mittlerweile haben sie einen überragenden Erfolg eingefahren und können ab Herbst damit beginnen, ihre Pläne umzusetzen.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Kleinigkeiten und scheinbar Unbedeutendes wesentlichen Einfluss auf die Art haben, mit der wir den Herausforderungen des Lebens begegnen. Und ich fühle mich in der Ansicht bestätigt, dass es keinen wichtigeren Beruf gibt, als den des/der Lehrer_in. Wenn sie ihre Arbeit gut machen, brauchen wir uns um die Zukunft unserer Gesellschaft viel weniger Sorgen machen.
Auf dem Weg habe ich auch am eigenen Leib erfahren, welche Kraft gute Nachrichten haben, wenn sie in Zusammenhang mit fundamentalen Ereignissen auf sich warten haben lassen.
Und zuletzt habe ich im Rahmen freiwilliger Mitarbeit im Dienste der Gemeinde entdecken dürfen, wie viel Expertise und Potential bislang ungenutzt bleibt, weil wir uns nicht ausreichend Zeit nehmen, zuzuhören.
Am besten lässt sich die Frage nach dem, was sich geändert hat, damit beantworten, dass ich jetzt ein Stück weit besser verstehe was und wohin ich will: Ich möchte für eine Politik stehen, die aus der eigenen und unmittelbaren Erfahrung schöpft, voll Authentizität. Reden über das, wovon ich Ahnung habe, und schweigen, wenn ich es nicht tue. Zuhören, um zu verstehen – und nicht um zu antworten.
Danke für eure Unterstützung dabei.
Bernd
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